Arbeitskreis
Arbeitslose Linden
Konsumstreik |
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Asphalt-Magazin, September 2005
Renate Schwarzbauer
((Ü)) „Konsumstreik“
Die Deutschen seien leider im Konsumstreik und darum lahme unsere Konjunktur: Solches liest man jetzt häufig in Tageszeitungen und Wochenmagazinen; so häufig, dass ich richtig aggressiv werde. Um das klarzustellen: Die Deutschen liegen n i c h t im Konsumstreik!
Das geht schon damit los, dass „die Deutschen“ gar nicht existieren. Deutschland ist fortschreitend unterteilt in sehr Reiche und sehr Arme, so krass wie schon lange nicht mehr.
Die betuchte Oberschicht protzt mit dem, was sie ausgeben kann, fährt oft und weit weg in Urlaub, kann sich Nobelkarossen leisten, einen aufwändigen Lebensstil, verfügt über Grund-, Immobilien- und Firmenbesitz. Das alles sei ihr gegönnt; einige ihrer Mitglieder spenden sogar große Summen für gute Zwecke. Nur kann man beim besten Willen nicht behaupten, die Einkommens- und Vermögensreichen betrieben irgendeinen Konsumstreik.
Die Millionen Sozialhilfe- und Alg-II-Empfänger befinden sich schon gar nicht im Konsumstreik. Denn Streiken ist so definiert, dass man etwas verweigert, was man durchaus tun könnte. So verweigern in der antiken Komödie „Lysistrata“ die Frauen so lange den Sex mit ihren Männern, bis diese aufhören, Krieg zu führen. Hartz-IV-Betroffene aber haben kein Geld, das auszugeben sie verweigern könnten. Denn mit 345 Euro im Monat kann man nur zweierlei machen: Schulden oder sich extrem beschränken. Hier von Konsumstreik zu sprechen ist zynisch und widerwärtig.
Auch die Mittelschicht streikt nicht. Über ihr schwebt der drohende Verlust ihres sozialen Levels, sie macht sich Sorgen um den Arbeitsplatz, die Zukunft ihrer Kinder, die Höhe (besser: Tiefe) der Rente. Hier werden viele Gelder in private Vorsorge und langfristige Sparanlagen gesteckt. Gelder, die dem Konsum natürlich verloren gehen.
Tatsächlich gibt es Menschen, die die Schnauze voll haben vom Shoppen, von ständig sich wandelnden Moden, elektronischem Firlefanz, ökologisch verabscheuungswürdigen Produktionsmethoden, Waren, die aus Ausbeutungsverhältnissen stammen, technischen Dingen, die im Handumdrehen veralten oder kaputtgehen. Doch sie bilden eine kleine Minderheit.
Die große Mehrheit würde zu gern konsumieren, würde gern das BIP steigern, würde gern öfter mal was Neues, Schönes, Glänzendes, Nützliches haben, schließlich wird sie ja von der Werbung und fast allen PolitikerInnen dringend dazu aufgefordert.
Doch das ist einfach nicht mehr drin.